Die Haltestelle spricht

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Wenn Sie das nächste Mal an der Bushaltestelle stehen, schließen Sie doch mal die Augen – dann verstehen Sie, wie schwer sich Sehbehinderte und Blinde im Nahverkehr orientieren können. Die BVG testet nun neue Technik, um diesen den Weg zu erleichtern.
Andere langweilen sich, wenn sie auf den Bus warten – für Menschen wie Matthias Groß ist die Zeit an der Haltestelle ziemlich anstrengend. Denn er kann nicht sehen, welche Buslinie da angefahren kommt. “Man steht immer als Bittsteller da: ‘Können sie mir vielleicht sagen, was für ein Bus das ist?’”, beschreibt der Sehbehinderte die Frage, die er jedes Mal stellen muss, wenn sich die zischenden Türen öffnen. Ob ein Bus ausfällt oder sich verspätet – und warum das geschieht – das erfährt Groß nicht. Er arbeitet als Behindertenbeauftragter bei der BVG und die Verkehrsbetriebe wollen es Fahrgästen wie ihm in Zukunft leichter machen – indem sie Busse und Haltestellen sprechen lassen.
Am Montag startet das entsprechende Pilotprojekt, ein Jahr lang soll es eine Gruppe von blinden, sehbehinderten und gesunden Fahrgästen ausprobieren. Dabei werden sowohl zehn Straßenbahnen der Linie M4 und zehn Busse der Linie 186 als auch 13 Haltestellen mit akustischen Signalen ausgestattet. Außerdem testet die BVG eine App mit Fahrplan-Ansage. Die Berliner Sozialsenatorin und die Verkehrssenatorin unterstützen das Ganze, mit zwei Milllionen Euro. Mit “Alle mal herhören” wäre Berlin in Europa Vorreiter.
HINTERGRUND
Was bedeutet blind und was sehbehindert?
• Als sehbehindert gilt man in Deutschland, wenn man auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 30 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt.
• Als hochgradig sehbehindert gilt man, wenn man auf dem besseren Auge höchstens fünf Prozent Sehvermögen hat.
• Als blind gilt man, wenn man auf dem besseren Auge höchstens zwei Prozent der normalen Sehkraft erreicht.
• In ganz Deutschland gibt es geschätzt etwa 150.000 blinde und 500.000 sehbehinderte Menschen.
Lautstärke automatisch an die Umgebung anpassen
Wieviele blinde oder sehbehinderte Menschen in Berlin leben, lässt sich nicht genau sagen, ihre Zahl wird nicht erfasst. Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin geht von etwa 6.000 Betroffenen aus. Ihre Zahl dürfte mit der größer werdenden Gruppe alter Menschen deutlich steigen, denn gerade Volkskrankheiten wie Grüner oder Grauer Star treffen im Alter sehr viele.
Was den meisten normal sehenden Bus- und Bahnnutzern wohl im Alltag nicht auffällt: Schon jetzt sind 121 der 173 U-Bahnhöfe dank Ansagen und einem Leitsystem barrierefrei für blinde und sehbehinderte Menschen.
“Die Möglichkeit, mobil zu sein, ist eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Von daher begrüße ich das Projekt sehr”, sagt Christine Braunert-Rümenapf, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung. Um diesen eine unabhängige Fahrt zu ermöglichen, geht man immer nach dem sogenannten Zwei-Sinne-Prinzip vor: Mindestens zwei der Sinne Sehen, Hören und Tasten sollen von den Informationssystemen angesprochen werden.
An der richtigen Lautstärke der Durchsagen werden die Spezialisten der Firma, die das Projekt begleitet, herumtüfteln – Blinde und Sehbehinderte müssen sie verstehen, alle anderen sollen so wenig wie möglich von ihnen genervt sein. Sowas kriegt man durch sogenannte geräuschadaptive Systeme hin. Ähnlich wie “Noise-Cancelling”-Kopfhörer passen diese Systeme ihre Lautstärke automatisch der Umgebung an.

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