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Erster Kongress der Teilhabeforschung

Liebe Leserinnen und Leser,

am 26. und 27. September findet in Berlin der erste Kongress der Teilhabeforschung statt. Veranstalter sind das Aktionsbündnis Teilhabeforschung, in dem der DBSV Mitglied ist, und die Humboldt-Universität zu Berlin.

In dem jungen Forschungsfeld werden die Lebenslagen sowie Teilhabe und Partizipation von Menschen mit Behinderungen untersucht. Auf dem Kongress werden in Referaten, Vortragsforen sowie Ideen- und Forschungswerkstätten Aspekte der Teilhabeforschung vorgestellt und diskutiert. Die Themen reichen von politischer Partizipation über Teilhabe am Arbeitsleben zu Gesundheit und Pflege.

Das Programm und weitere Informationen gibt es unter:
www.teilhabeforschung2019.de

Redaktion:
Andreas Bethke (V.i.S.d.P.)
Tina Below
Volker Lenk

Anschrift:
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)
Rungestraße 19, 10179 Berlin
Tel.: (030) 28 53 87-0, Fax: (030) 28 53 87-200
E-Mail: mailto:info@dbsv.org
www.dbsv.org

Mehr für Fußgänger unternehmen

Liebe Bloggemeinde,

wir müssen wirklich mehr für uns Fußgänger unternehmen. In unserem Fall noch mehr, damit wir noch sicher auf den Straßen unterwegs sein können. Die Autos und Fahrdinge werden immer mehr und schneller und auch für unsereins ziemlich gefährlich, weil wir sie oft erst ziemlich spät bemerken, wenn sie vor uns zum Stehen kommen. Manchmal kann dies auch schief gehen und daher gibt es nun ein Kongress wo dies näher beleuchtet werden wird.
Macht alle mit damit wir nicht irgendwann da stehen und ja, was nun …?
Dieser Kongress richtet sich erst einmal an die Stadtplaner usw. …
Doch macht auch Eure Ohren Augen auf und denkt an andere, die sich nicht so gut wehren können. Wir können vieles nur Gemeinsam verändern. Auch schon indem wir auf solche Dinge aufmerksam machen.
Hier zu die Info die ich heute erhielt.
Das wurde mir von BBSB.org übermittelt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wozu sind die Straßen da? Zum marschieren in die weite, weite Welt sangen sie. In einem Film der 50er Jahre. Es ging nicht um die Fortbewegung im strammen Gleichschritt, sondern um die Nutzung des Straßenraums im Sinne der selbstbewussten aufrechten Fortbewegung der Gattung Mensch in freier Natur. Was ist 60 Jahre später davon geblieben? Die Straße wird zwar noch von der aufrecht gehenden Gattung Mensch beherrscht, wenn auch längst bequem und sicher sitzend, Gas gebend und Abgas verbreitend, oder an den Rand gedrängt und allenfalls im Gänsemarsch und stets auf der Hut vor drohender Gefahr. Selbst auf Gehwegen wird inzwischen gefahren, geparkt und Ware feilgeboten. Der Fußgänger ist nicht nur der langsamste Verkehrsteilnehmer, er ist auch allen anderen gegenüber besonderen Unfallgefahren, gesundheitsgefährdenden Einflüssen durch Abgase, Feinstaub und Lärm ausgesetzt. Nicht nur der Kraftverkehr, sondern jetzt auch die auf der Umweltschutzwelle elektrisch vorbei flitzenden Radler drängen ihn mehr und mehr an den Rand. Es geht in der Tat nicht an, dass die Radler allenthalben kreuzungsfreie Radwege von 4 bis 5 m Breite fordern, um schneller in die Zentren der Städte zu kommen. Es muss also etwas geschehen. Kriterien müssen erarbeitet werden, um die Qualität des Fußverkehrs zu bestimmen und Strategieen für den Fußverkehr braucht es. Der Stellenwert des Fußverkehrs
ist in Gefahr und die Barrieren, die auf Straßen und Plätzen und die in den Köpfen müssen weg, damit auch wir ohne zu sehen gehen können. Es braucht endlich einen Ersten Deutschen Fußverkehrskongress und es wird ihn am 15. und 16. September in Wuppertal geben.

Die Intention ist, die Bedeutung und den Stellenwert des Fußverkehrs in der mobilen Gesellschaft herauszustellen und aktuelle Lösungen zu diskutieren, die ein gutes, qualitätsvolles, barrierefreies, sicheres und unkritisches zu Fuß Gehen bei allen Gelegenheiten ermöglichen. Der zweitägige Kongress richtet sich vorrangig an Entscheiderinnen und Entscheider sowie Planerinnen und Planer aus den Bereichen des Ingenieurwesens, der Raum- und Stadtplanung, der Architektur und aus verwandten Bereichen.
Das Programm bietet in Plenarsitzungen und in zwei parallelen Foren Einblicke in die Themenbereiche Mobilitätswünsche und Anforderungen, objektive und subjektive Sicherheit im Fußverkehr (Unfallentwicklung, Unfallvermeidung), Fußverkehrsstrategien (Good Practices), Barrierefreiheit und bedarfsgerechte Dimensionierung. Die Vorträge befassen sich u.a. mit Fußverkehrsstrategien für Großstädte, für den ländlichen Raum, mit den gesundheitlichen Aspekten des zu Fuß Gehens, mit planerischen und technischen Hilfen und mit zukünftigen Anforderungen an die Mobilitätssicherung – Mobilität beginnt nun mal zu Fuß! Wir sind dabei. Der gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe wird für unsere Forderungen den langen weißen Stock schwingen und den Leuchtdichtekontrast anmahnen und deutlich machen, was freier und ungehinderter Fußverkehr für eine inklusive Gesellschaft bedeutet.

Karl Valentin, der große Münchner Verkehrsexperte, hatte vor vielen
Jahrzehnten, also lange vor Walk 21, schon eine Vision, deren sinngemäße Umsetzung mittelfristig nicht viel kosten würde und dennoch geeignet wäre, den Fußgängern den Straßenraum weitgehend zurückzugeben. Wie wäre es, wenn montags nur Lieferwagen, am Dienstag nur Taxen, am Mittwoch die Feuerwehr, am Donnerstag die Polizei und am Freitag nur Krankenwagen fahren dürften? Langfristig sollte der Straßenraum in den Zentren der Städte aber gänzlich neu gestaltet werden. Das muss auch etwas kosten dürfen. Die Gehwege könnten aus Richtungsfahrsteigen mit je einem Streifen mit einer Geschwindigkeit von 3 km/h und einem Überholstreifen mit 6 km/h ausgebaut werden, die an den Kreuzungen zum Richtungswechsel unterbrochen werden müssten. Rechnet man die Fußgängergeschwindigkeit von 4 km/h hinzu, würde das die Fußgängerströme auf bis zu 10 km/h erheblich beschleunigen. Kein Ladengeschäft würde mehr Kleiderständer oder Werbeträger auf den Gehweg stellen Die Fußspuren sollten vor Regen und Schnee durch ein virtuelles Dach geschützt werden, das aber Sonne und Wind nicht behindern dürfte. Den verbleibenden Straßenraum können sich auf getrennten Spuren Fahrzeuge und Radler teilen. Auf Lichtsignalanlagen ist zu verzichten. Die Fußgänger haben überall das Recht, die Fahrbahnen zu queren. Ihre Sicherheit wird dadurch gewährleistet, dass die moderne Fahrzeugelektronik angesichts eines stehenden Fußgängers am Fahrbahnrand das Fahrzeug stoppt. Ein elektronischer Abstandshalter verhindert das Auffahren des folgenden Fahrzeugs usw. .
Das wären doch wirklich innovative Anreize für Ingenieure und Planer auf dem Kongress. Die nötigen Forschungsmittel sind kein Problem, weil die Bundesrepublik schließlich Weltmeister in der Forschung werden will. Wenn da kein Ruck durch Deutschland geht ist zu befürchten, dass Fußverkehrskongresse allenfalls dicke Kongressberichte produzieren, wie das halt so Art der Kongresse ist.
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.fussverkehrskongress.de